Die Corona Krise – eine besondere Situation für…?

Die Corona Krise – eine besondere Situation für…?

Wer gründet in Deutschland immer mehr?

Wer ist in der Corona Krise sehr betroffen?

Für wen war es anfangs schier unmöglich einen Soforthilfe-Antrag zu stellen?

 

Wir haben auf alle Fragen dieselbe Antwort: „Zugewanderte Selbstständige “.

Während der Corona Krise sind Angestellte durch Instrumente wie die Kurzarbeit abgesichert. Selbständige jedoch nicht: Trotz der kurzfristigen Soforthilfen und dem erleichterten Zugang zur Grundsicherung, haben viele akute Probleme und Angst um ihre berufliche Existenz.

In den entsprechenden Hilfsmaßnahmen wird jedoch selten bedacht: Migrant*innen waren der Hauptmotor für die Entwicklung der Selbstständigkeit in Deutschland in den letzten Jahren. Nach den Studien des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim stieg bei ihnen die Zahl der Selbstständigen von 2005 bis 2018 um 50%. Der Zuwachs der gesamten Gründungen in Deutschland blieb hingegen über die Jahre fast unverändert.

Die Entwicklung der Selbständigkeit in Deutschland von 2005-2018 (2005=100%). Quelle: ifm Mannheim.

Deutlich sind hier auch die Zahlen der selbstständigen Frauen: Jede sechste bis siebte Unternehmerin in Deutschland besitzt einen Migrationshintergrund. Auch hier sind in den letzten zehn Jahren starke Zuwachsraten zu verzeichnen. Die Zahl selbständiger, zugewanderter Frauen hat um 88% zugenommen, gleichzeitig hat sich die Zahl deutscher Gründerinnen um 26% erhöhte. Diese hohen Veränderungsdaten stehen im Zusammenhang mit einem niedrigen Ausgangsniveau der selbstständigen Zuwanderinnen, zeigen jedoch einen deutlichen Trend. Inzwischen ist die Selbstständigenquote der Frauen mit Migrationshintergrund über der in Deutschland geborenen Frauen und der Zuwachs weit stärker, als der ihrer männlichen Pendants – mit und ohne Migrationshintergrund.

Um die Perspektive der zugewanderten Selbstständigen noch besser zu verstehen, haben wir für Euch drei wichtige Unterschiede zwischen zugewanderten und hier geborenen Selbstständigen während der Krise zusammengefasst. Diese Unterschiede verdeutlichen klar die aktuell prekäre Situation der Migrant*innen, die in Deutschland zu Unternehmer*innen geworden sind.

 

Warum zugewanderte Selbstständige stark betroffen sind

Die meist kleinere Betriebsgröße …

…einhergehend mit einem kleineren Kundenstamm & kleinerem Liquiditätspuffer.

> Personal- und Kundenausfälle oder vermehrte Aufgaben in der Familie können besonders bei Solo-Selbstständigen schlechter kompensiert werden.

 

Sie sind häufig in den Branchen vertreten, die von den größten Einschränkungen betroffen sind …

… in der Gastronomie, im Handel oder in nicht-wissensorientierten Branchen.

> Das Arbeiten im Homeoffice und die Kinderbetreuung am Arbeitsplatz sind hier meist nicht möglich.

> Hygiene- und Abstandsregeln sind schwerer einzuhalten und ihre Umsetzung oft mit Kosten verbunden.

 

Die durchschnittlich eingeschränkten Deutschkenntnisse und geringeres Wissen über das Verwaltungs- und Wirtschaftssystem in Deutschland…

…sind eine Hürde für viele Unternehmer*innen mit migrantischem Hintergrund.

> Zu Beginn der Corona Krise gab es keine Übersetzung der Soforthilfe-Anträge.

> Das Verständnis über zuständige Anlaufstellen und benötigte Unterlagen für Zuschüsse & Co. sind nicht selbstverständlich und für zugewanderte Selbstständige zusätzlich unübersichtlich.

 

Fazit?

Diese Faktoren machen zugewanderte Selbstständige zu einer der wirtschaftlichen Hauptrisikogruppen der Krise und bringen die Integrationserfolge der letzten Jahre, gerade in Bezug auf die fehlende Anpassung der Kommunikation, ins Wanken.

Unzählige Solo-Selbstständige und Unternehmen wurden von den oben genannten oder zusätzlichen Faktoren hart getroffen. Unterstützung bietet der Staat deshalb zum Beispiel durch die schnelle Umsetzung von Soforthilfen. Zum Glück sind auch weitere branchenspezifische Pakete bereits angekündigt oder in der Umsetzung. Wichtig ist uns hervorzuheben: Genau diese Hilfsprogramme sind ebenso relevant für die vielen Selbstständigen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Mehrsprachige Lesehilfen für die Antragsformulare, Übersetzungen in leichte deutsche Sprache und individuelle Beratungsmöglichkeiten sind deshalb im Auftragsprozess mitzudenken. Diese Perspektive ist nicht nur in der Umsetzung wichtig, sondern bereits vorher: In der Diversität von Entscheidungsfindung über Krisenmaßnahmen.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Blickweisen auf die Krise: 👓 auf. gig7 💬 COVID.

Abwechselnd berichten wir über wissenschaftliche Facts, schlüpfen in die Rolle von Gründerinnen einzelner Branchen und sprechen mit Mieterinnen aus dem gig7 – für eine weibliche Perspektive auf die Krise, fürs Zusammenhalten in der #gig7community, für Einblicke, für Ideen.

Mehr auf unseren Social Media Kanälen: INSTAGRAM  I  FACEBOOK.

 

Quellen: 

Institut für Mittelstandsforschung

Bundesweite Gründerinnenagentur