Wir gehen auf Expertinnen-Suche…

Wir gehen auf Expertinnen-Suche…

Von wem kommt Expert*innenwissen?

Wie viele Frauen arbeiten in den befragten Branchen?

Macht das Medium einen Unterschied? TV-Beiträge vs. Online-Berichte.

Wir besuchen die Instagram-Seite der Malisa Stiftung. Die Gründerinnen sind Maria und Elisabeth Furtwängler. Sie setzen sich die für die Überwindung einschränkender Rollenbilder in den Medien ein. Dort werden wir fündig: Statistiken zu zwei der ersten Studien der Geschlechtergerechtigkeit in der Corona- Berichterstattung. Unsere Erkenntnisse, die wir für euch im letzten Blogbeitrag dargelegt haben, werden bestätigt:

Über alle Themen hinweg kommen auf eine Expertin vier Experten.

Zusätzlich noch drastischere Erkenntnisse:

Im Bereich Forschung liegt der Anteil der zu Wort gekommenen weiblichen Expertinnen unter 10%.

Eine kurze Erklärung zur Studie: Ausgewertet wurden 174 TV-Infosendungen mit Corona Bezug, die zwischen dem 16. April und dem 30. April auf ARD, ZDF, Sat.1 und RTL ausgestrahlt wurden. Eine andere Studie analysierte dazu passend parallel 79.807 Online-Ausgaben von 13 Printmedien. Die Ergebnisse sind eindeutig: In online Fachzeitschriften, wie auch im Fernsehen kamen insgesamtdoppelt so viele Männer wie Frauen zu Wort – eingeschlossen Stimmen von Nicht-Expert*innen. Denn genauer hingeschaut sind auch Frauen in den Medien zu finden: Als Beisitzerinnen in Talkshows, wo sie z.B. als Kassiererinnen, oder Krankenschwestern direkt aus der Realität berichten. Am meisten werden Frauen in den Bereichen Bildung (45%) und Sociales (31%) gefragt. Jedoch erreichen sie in keinem befragten Bereich 50%.

 

Es gibt einfach nicht genügend Expertinnen…

Oft heißt es, dass es schwierig sei Expertinnen zu spezifischen Themen zu finden. Deshalb schauen wir uns doch mal genauer an, wie das tatsächliche Geschlechter-Verhältnis der Arbeitenden in den betroffenen Bereichen ist. Besonders erschütternd ist hier die Anzahl der Ärztinnen, die uns während der Krise medial mit Wissen bereicherten. Um es in Zahlen auszudrücken:

> eine von 5 befragten Ärzt*innen ohne Leitungsfunktion war weiblich

> mit Leitungsfunktion waren nur 5% der Hauptakteure weiblich

Dies ist besonders schockierend verglichen mit dem eigentlichen Anteil von Ärztinnen in der Praxis: nämlich 47%. Bei den Epidemiolog*innen und Infektionsforscher*innen sehen wir ähnliche Zahlen. Hier waren 6% der Befragten weiblich. Die Herausgeberinnen der Studie werten das als eines der wichtigsten Ergebnisse:

Frauen werden nicht gefragt, obwohl es sie gäbe!

 

Online = Andere Paradigma als Print?

Auf die Frage, ob sich bei der online Berichterstattung andere Zahlen, als in der TV- Berichterstattung ergeben, gibt es eine einfache Antwort: Nein.

30% Frauen insgesamt
7% Expertinnen
5% Forscherinnen
4 % Virologinnen

Publiziert wird hier das Zitat:

„Frauen sind die wahren Heldinnen der Krise – erzählen uns die Männer“.

Kurz aber aussagekräftig. Eine passende Zusammenfassung der verzerrten Berichterstattung. Außerdem eine deutliche Widerspiegelung der Realität in der Frauen-Wissen nicht als Expertinnenwissen genutzt und ihre Meinung nicht gehört oder nicht einbezogen wird. Eine gleichberechtigte Gesellschaft mit gleichen Chancen und Perspektiven – das ist das Ziel. Das heißt jedoch auch: Vorbilder sichtbar machen. Frauen-Realitäten zeigen. Frauen fragen.

Vorgefunden haben wir während der Krise leider ein anderes Szenario. Aber auch hier: „Sichtbar heißt machbar“, schreiben Maria und Elisabeth Furtwängler. Deshalb achtet darauf, wer interviewt wird, empfehlt Expertinnen, fragt nach den Ärztinnen, den Pflegerinnen, den Krankenschwestern, den Virologinnen, den Forscherinnen – und wenn ihr selber eine seid: teilt euer Wissen und eure Perspektiven.

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Blickweisen auf die Krise: 👓 auf. gig7 💬 COVID.

Abwechselnd berichten wir über wissenschaftliche Facts, schlüpfen in die Rolle von Gründerinnen einzelner Branchen und sprechen mit Mieterinnen aus dem gig7 – für eine weibliche Perspektive auf die Krise, fürs Zusammenhalten in der #gig7community, für Einblicke, für Ideen.

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Quellen: 

Malisa Studie